Weimar: Quartiersprojekt Alte Feuerwache Weimar



Projektziel

Das Projekt zeigt: Gemeinschaftlich wohnen und arbeiten zur Miete geht – selbstbestimmt, bezahlbar und über das Mietshäuser Syndikat dauerhaft dem Immobilienmarkt entzogen. Mit Raum für Wohnen, Gewerbe und einen lebendigen Quartiersplatz.

Projektbeschreibung

Das Areal der Alten Feuerwache Weimar – drei Gründerzeithäuser, Verwaltungsgebäude, Schlauchturm, Wagenremise und Halle – stand nach dem Umzug der Feuerwehr über zehn Jahre leer. Die Stadt Weimar vergab es im Konzeptverfahren; ausschlaggebend war neben dem Baupreis (Gewichtung 30 %) vor allem die Qualität des Nutzungskonzepts (70 %). Das Grundstück wurde an den Gewinner des Konzeptverfahrens zu einem Festpreis verkauft.
Heute leben in 23 sanierten und neu gebauten Wohnungen rund 60 Menschen zwischen 0 und 84 Jahren in unterschiedlichen Wohnformen. Ein Teil der Wohnungen und Gewerbeeinheiten ist barrierefrei bzw. barrierearm; der Aufzug wurde u. a. über ein Programm für Leben im Alter gefördert. Der Mietpreis ist so berechnet, das keine Rendite erwirtschaftet wird.
Im Verwaltungstrakt sind eine Zahnarztpraxis, ein Designbüro und Büros entstanden, in der Wagenremise ein Initiativenraum, die „Urbanothek“ und eine Ergo- und Physiotherapiepraxis. In der Halle produziert bald eine regionale Biomolkerei Milch- und Käseprodukte. Der Hof verbindet Bewohnende und Nachbarschaft; die Hälfte wurde entsiegelt und wird gemeinschaftlich begrünt (Fertigstellung Anfang 2027). Für das Wahrzeichen, den Schlauchturm, wird noch eine Nutzung gesucht.
Bauherrin ist die GmbH der Alten Feuerwache Weimar, deren Gesellschafter der Wohnverein Alte Feuerwache und das Mietshäuser Syndikat sind. Im Wohnverein sind alle Mieter und Mieterinnen organisiert. Ein Verkauf ist durch ein Vetorecht des Mietshäuser Syndikats ausgeschlossen, so dass das Areal dauerhaft dem Immobilienmarkt entzogen bleibt. Außerdem unterstützt das Syndikat das Projekt durch ein Handbuch mit erprobten Strukturen und Prozessen und gewährt über seinen Solidaritätsfonds eine finanzielle Starthilfe. Patenschaften vor Ort wie dem Baumhaus (Weimar) und anderen Syndikatsprojekten unterstützen die erfolgreiche Umsetzung.
Voraussetzung ist eine Projektpräsentation mit hohen Qualitätsanforderungen.
Von der Idee über Konzept, Kauf, Bankverhandlungen und das Einwerben von Direktkrediten als Eigenkapitalersatz bis zur Umsetzung hat die Projektgruppe überwiegend ehrenamtlich gearbeitet – mit unzähligen Abstimmungsterminen und samstäglichen Baueinsätzen. Entschieden wird soziokratisch. An der Umsetzung wirkte die Stadt nicht mit; die Gruppe war auf ihre eigene Fachexpertise angewiesen: Projektmanagement, Finanzwesen, Architektur und Bauplanung, Gestaltung, Öffentlichkeitsarbeit, soziale Arbeit und Stadtplanung.

Projektfahrplan

2017 Vereinsgründung (Wohnverein)
2018 1. Ausschreibung Konzeptverfahren der Stadt Weimar
2019 2. Ausschreibung Konzeptverfahren der Stadt Weimar
2019 GmbH Gründung
2019 Kauf
2020-
2021 erfolglose Beantragung Förderung im Rahmen des Innenstadt- Stabilisierungsprogramms (ISSP)
2022 Abschluss Finanzierung mit der GLS-Bank
2022 Spatenstich
2024 Fertigstellung und Bezug der 3 Gründerzeithäuser
2025 Fertigstellung der Wohnungen im Neubau
2026 Fertigstellung der Gewerberäume, Hofentsiegelung
2027 nachträglicher Anbau Balkone

Partnerschaften

Mietshäuser Syndikat Freiburg
Stadt Weimar
Wilhelm & Quednau Architekturbüro
raum33 I architekten
Fachplaner und Baufirmen
GLS Bank
Kreditanstalt für Wiederaufbau
Thüringer Aufbaubank
Forum für Gemeinschaftliches Wohnen
Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

Hindernisse und wichtige Hinweise

Für Kommunen
– Eine Konzeptvergabe mit starker Gewichtung des Nutzungskonzepts öffnet kommunale Leerstände für gemeinwohlorientierte Träger, die im reinen Höchstgebotsverfahren kaum zum Zug kämen. Entscheidend sind von Beginn an klare, rechtssichere Bewertungskriterien.

Für Initiativen
– Über die Vergabe hinaus war die Stadt nicht an der Umsetzung beteiligt. Fachexpertise in der Gruppe ist daher unverzichtbar, ebenso starke Partnerschaften – mit Fachplanung, Bank und einem Trägermodell wie dem Mietshäuser Syndikat, das erprobte Strukturen mitbringt.
– Gut funktionierende Strukturen und Prozesse sind gerade bei Bottom-up-Projekten die Grundlage für tragfähige Entscheidungen.

Zur Förderung
– Nicht jedes Förderprogramm passt zu ungewöhnlichen Trägermodellen. Der Antrag im Innenstadtstabilisierungsprogramm (ISSP) zog sich über ein Jahr und wurde schließlich abgelehnt; die Verzögerung kostete Zeit und Geld. Die Projektgruppe empfiehlt dennoch, Förderanträge zu stellen, die Passfähigkeit früh zu klären, das Gespräch mit Politik und Fördermittelgebern zu suchen und Zeitpuffer einzuplanen.

Für das Miteinander
– Neben der Arbeit sollte das gemeinsame Feiern von Erfolgen nicht zu kurz kommen – es erhält Freude und Zuversicht bis zum Abschluss. Ebenso wichtig ist es, die Nachbarschaft mitzunehmen: Für sie bedeuten lange Bauzeiten und Veränderung zunächst Stress.

Kontakte

post@feuerwache-weimar.de

Projekthomepage
https://feuerwache-weimar.de/start.html